| MHIZ - Schaufenster: Galerie 2002 | Medizinhistorisches Institut und Museum der Universität Zürich |
Sie können auch die Galerien 2003, 04, 05 , 06 und 07 besuchen.
Dezember
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Ein Weihnachtsbaum in einem mehr als zweihundert
Jahre alten medizinischen Fachbuch über die Pocken? Das ist
kein Versehen! Der Autor aus der Medizinprofessorendynastie Juncker
in Halle warb in seinem Werk (s. unten) unter anderem für die frühe
Form der Impfung gegen die Pocken, die sogenannte Variolation mit
echten Menschenpocken. Er illustrierte seine Vorstellungen mit einem angeblich
gehabten Traum:
Frontispiz aus: |
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November
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Paracelsus Magus Alchemist - Arzt - Magier
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Oktober
Das Medizinhistorische Institut und Museum zieht um!

Seit nunmehr vier Monaten ist unser Institut am Packen. Unsere Bereiche "Museum", "Bibliothek" und "Archiv" erhielten damit die Chance, ihre umfangreichen Bestände zu sichten und sachgerecht zu ordnen. Hunderte von Kisten stehen herum und warten auf den Abtransport. Und noch immer ist Vieles unverpackt. Manchmal scheint es fast, als wüchsen die Haufen ständig nach, weil in den geheimen Ecken des Turmes immer wieder neue Fundstücke auftauchen. Eine stattliche Anzahl motivierter Helferinnen und Helfer sind uns bei diesem gewaltigen Umzug behilflich.
Die vielen mühseligen Ärgernisse, die leider ein solches Unternehmen begleiten, werden hoffentlich bald einmal der Vergangenheit angehören. Denn ab November befindet sich unser Institut an bester Lage, in unmittelbarer Nähe des Centrals. Die Bibliothek hat über 2000 Kisten schon gepackt. Die Objektsammlung des Museums - das Museum selbst bleibt an der Rämistrasse 69 - wird endlich an einem zentralen Ort zusammengeführt. Das Bircher-Benner-Archiv, das sich bisher an der Moussonstrasse befand, gelangt ebenfalls zu uns, zusammen mit dem neu entstandenen Medizinhistorischen Archiv, dessen wertvolle Archivalien (Bildersammlung, Handschriften und Nachlässe, Medienarchiv und Medaillensammlung) im neuen Jahr unseren Benutzern zugänglich gemacht werden.
Am Hirschengraben 82 haben auch Wissenschaftler ihren Platz, so dass die vielfältigen Bestände unserer Sammlungen vor Ort erforscht werden können. Wir bedauern sehr, dass unsere Dienstleistungen momentan erheblichen Einschränkungen unterworfen sind; die Bibliothek bleibt bis Ende November geschlossen. Um so mehr freuen wir uns auf die Gäste, die wir ab Januar 2003 am neuen Ort begrüssen dürfen!
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Albert Anker: Ruedi Anker auf dem Totenbett. |
Albert Ankers Sohn Ruedi auf dem Totenbett
Ein einzigartiges Gemälde im Medizinhistorischen Museum
Im Rahmen der Sonderausstellung
"Über dem Grabe geboren Kindsnöte in Medizin und Kunst"
ist im Medizinhistorischen Museum der Universität Zürich neuerdings
ein ergreifendes Bilddokument von Albert Anker ausgestellt: Der populärste
Schweizer Maler hat seinen im Alter von zwei Jahren verstorbenen Sohn Rudolf
1869 auf dem Totenbett gemalt und vom Schmerz überwältigt
in die Farbschicht als letzten verzweifelten Zuruf die Worte eingekratzt: "Du
liebe, liebe Rudeli".
Wie so vielen ihrer Zeitgenossen blieb Albert und Anna Anker-Rüfly das
Leid des vorzeitigen Kindertodes nicht erspart. Die zwei ältesten Söhne
der sechs Kinder des Ehepaars starben innert zwei Jahren im frühen Alter.
Der Maler hatte das Angesicht seines aufmerksam und offen blickenden einjährigen
Sohnes Rudolf schon 1868 in einem Ölbild festgehalten, das später
in den Besitz der Tochter Marie überging. Im Frühling 1869 vollendete
er das Bild "Der Neugeborene", das sich heute im Kunstmuseum Lausanne
befindet. Möglicherweise liess er sich auch bei diesem Werk durch die Freude
am Wachsen des Sohnes Rudolf anregen, die sich im Gesicht des Kleinen mit seinen
hellen, aufmerksamen Augen spiegelt. Doch der geliebte Erstgeborene Rudolf starb
nach kurzer, schwerer Krankheit am 25. August 1869. Er fiel einer damals im
Berner Seeland grassierenden Diphtherie-Epidemie zum Opfer. Ankers Frau Anna
schrieb an diesem traurigen Tag in ihr "Christliches Gedenkbüchlein":
"Heute hat Gott der Allmächtige unsern Ruedi zu sich gerufen 2 Jahre
1 Monat und 19 Tage alt. Wahrlich ich sage euch, es sei denn, dass ihr nicht
umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen."
Ihr Mann Albert Anker berichtete seinem besten Künstlerfreund, dem Elsässer
François Ehrmann: "Ich muss dir die schreckliche Nachricht vom Tod
unseres geliebten Kleinen, deines Patenkindes, mitteilen. Die Halsbräune
hat ihn nach kurzer Dauer weggerafft. Als dein Brief ankam, wussten wir noch
nicht, welchen Weg die Krankheit nehmen würde. Nun wissen wir, dass er
tot ist, wirklich tot. Wir waren so glücklich, die Kinder waren gesund,
wir auch und nun: 'Ein Blitz aus heiterem Himmel!' Wie es mit unseren
Plänen aussieht, kann ich nicht sagen, es richtet sich alles nach dem Befinden
meiner Frau. Ich möchte, dass sie vielleicht das Dorf verlassen und direkt
nach Paris reisen kann. Wir werden sehen. Heute ist dieser Kleine gestorben."
Das breitformatige Bild von Ruedi Anker zeigt den verstorbenen Knaben im weissen
Leichenhemd und mit gefalteten Händen auf dem blumengeschmückten Totenbett.
Sein von der Seite belichtetes Profil vor dunklem Hintergrund vermittelt den
Eindruck eines schlafenden Kindes von grosser Schönheit, Ruhe und Würde.
Das persönliche Engagement des trauernden Vaters ist eine der frühesten
Darstellungen des Themas in der Schweizer Kunst. Ferdinand Hodler wird das Motiv
im Zyklus seiner sterbenden Geliebten Valentine Godé-Darel wieder aufnehmen.
Demgegenüber bleiben Ankers übrige Trauerbilder um verstorbene Kinder
etwa die "Kleine Freundin" (1862) im Kunstmuseum Bern oder
das "Kinderbegräbnis" im Kunsthaus Aarau (1863) sehr genrehaft,
distanziert und etwas manieriert.
Albert Anker hat das Totenporträt seines Sohns zur persönlichen Trauerbewältigung
und zur Erinnerung gemalt; ein Verkauf stand für den Künstler niemals
zur Diskussion. So blieb es nach Ankers Tod im Besitz seiner Tochter Louise
Anker-Oser in Basel und kam später mehrmals in andere Hände. Ein unlängst
erfolgter Besitzerwechsel des Gemäldes erlaubt nun die öffentliche
Präsentation dieses möglicherweise privatesten, innigsten Anker-Bildes.
Zweieinhalb Jahre nach Ruedi Anker starb auch der zweitgeborene Sohn Emil. Der
Vater hat den einjährigen am 3. Dezember 1871 in einer Bleistiftzeichnung
auf dem Totenbett festgehalten. Die Mutter Anna Anker schrieb nach diesem zweiten
schmerzlichen Ereignis: "3. Dezember. Heute hat es dem lieben Gott gefallen,
unsern Emil zu sich zu rufen, 13 Monate und 13 Tage alt. Der Herr hat ihn gegeben,
der Herr hat ihn genommen, der Name des Herrn sei gelobt." Diesen unerschütterlichen
Christenglauben konnte ihr Gatte nicht ganz teilen, bekannte er doch Auguste
Bachelin: "Solche Wegmarken in unserer Existenz zeigen uns schmerzhaft
die Wirklichkeit des Lebens an. Wohl allen, die sie als blosse Dissonanzen annehmen
können, welchen ein vollkommener Akkord folgt. Doch dazu braucht es einen
festeren Glauben als den eines ehemaligen Theologen (...). Wir versuchen das
Bittere mit Geduld anzunehmen, gehen mit Zuversicht weiter und rechnen mit der
Zeit als dem wahren Heilmittel ..."
Das neu in die Ausstellung "Über
dem Grabe geboren" integrierte Totenporträt Ruedi Ankers fügt
sich eindrücklich in die übrigen Zeugnisse der Kindsnot vom Mittelalter
bis ins 20. Jahrhundert ein. Die Erinnerungen an tote Säuglinge und Kleinkinder
zeugen davon, dass es auch in früheren Zeiten trotz grossem Sterblichkeitsrisiko
starke emotionale Bindungen der Eltern zu ihrem verstorbenen Nachwuchs gab.
Wenn wie im Falle von Ruedi Anker der Maler den Tod des eigenen
Kindes künstlerisch bewältigte, ist ein solches Dokument besonders
eindringlich und anrührend.
| Maximilian Oskar Bircher-Benner |
Geboren am 22. August 1867
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Altersporträt von Maximilian Oskar Bircher Benner Erfinder des Birchermüesli (Rezept sh. unten) Bildersammlung des Medizinhistorischen Instituts und Museums der Universität Zürich Fotografische Vergrösserung (23,0 x 28,7 cm, aufgezogen
auf Karton 27,5 x 33,9 cm), hier beschnitten und in historischen Rahmen
gesetzt |
Dieser Mensch hat geschafft, was unzählige andere auch gerne
bewirkt hätten: Die alltäglichen Ernährungsgewohnheiten
der Menschen zu ändern. Maximilian Bircher-Benner wurde vor 135
Jahren, am 22.8.1867, im schweizerischen Aarau (Kanton Aargau) geboren und
starb als international bekannter Arzt und Ernährungsreformer am 24.1.1939
in Zürich. Das nach ihm benannte "Birchermüesli"
ist heute mehr als nur eine schweizerische Nationalspeise. Kaum ein besseres
Hotel rund um den Globus, das auf seinem Frühstücksbuffet nicht ein
"Müsli" (für Unbewanderte: In der Schweiz ist das der Name
für eine kleine Maus), "Musli" oder gar "Museli" bereithält.
Allerdings haben die heutigen fantasievollen Varianten des Müeslis nur noch wenig mit dem gemein, was Bircher-Benner entwickelte. Es ging ihm darum, Rohkostnahrung auf eine schmackhafte Weise unters Volk zu bringen. Und Rohkost wiederum ganz vegetarisch war Teil seiner Vorstellungen einer Ordnungstherapie, die den Menschen bei den vielen Zumutungen des damals noch jungen Industrie- und Technikzeitalters wieder ins rechte Lot und zur vollen Gesundheit bringen sollte. Um dies zu erreichen, gründete Bircher Benner um die Wende zum letzten Jahrhundert sein Privatsanatorium "Lebendige Kraft" in dem bald neben wirklich Kranken viele Reiche und einige Berühmte kurten, indem sie sich Birchers strengem Regime unterwarfen. Heute ist der imposante Bau am Zürichberg ein Ausbildungszentrum der "Zürich" Versicherungsgesellschaft.
Das abgebildete Altersporträt Bircher-Benners zeigt ihn mit dem
obligaten, schon in den 1920er Jahren ergrauten Vollbart, mit Brille, die er
bereits im 19. Jahrhundert tragen musste, und weissem Arztkittel. Auf Bekannte,
Verwandte und Besucher der Klinik hat Bircher Benner mit seiner Persönlichkeit
wie auch seinem Auftreten in der Regel grossen Eindruck gemacht.
Das Foto entstammt der umfangreichen Bildersammlung des
Medizinhistorischen Instituts und Museums. Darüber hinaus ist dort derzeit
das "Bircher-Benner-Archiv" am Entstehen, unterstützt
durch Drittmittel des "Fonds für gemeinnützige Zwecke des
Kantons Zürich". Seinen Grundstock bilden etwa 150 laufende Meter
Patientenakten aus dem Privatsanatorium "Lebendige Kraft".
(verantwortlich: Eberhard Wolff)
Rezept für das Birchermüesli:
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NB: Das Müesli ist weit mehr als ein Dessert: Gerade im heissen August macht es sich sehr gut als vollwertige Hauptmahlzeit. Für die Traditionsbewussten hier das Originalrezept:
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Ein Esslöffel
Haferflocken über Nacht einweichen in drei Esslöffeln Wasser.
Dies verrühren mit ein bis zwei geriebenen Äpfeln (einschliesslich Schale und Kerngehäuse), dem Saft einer halben Zitrone und einem Esslöffel gezuckerter Kondensmilch. Mit geriebenen Nüssen bestreuen. |

Werbekarte für die Bäder von Yverdon
MHIZ-Bildersammlung, 17.5 x 11 cm
Ab 8. Juli sind Semesterferien! Gelegenheit zum Baden oder zum
Besuch der EXPO02, die auch in Yverdon stattfindet
Dort ist zum Beispiel die Ausstellung Garten Eden - Faszination Gesundheit
zu sehen.
Das Medizinhistorische Insitut und Museum besitzt in seiner Bildersammlung eine
grosse Abteilung zum Thema Balneologie.

Fünf Monate alter Foetus mit Fruchthüllen
Wachsrelief nach Joseph Benedikt Curiger, Tübingen 1804 (Inv.-Nr. 1085)
In diesem idealisierten Längsschnitt durch die mütterliche Beckenregion ist der fünf Monate alte Foetus hinter den Fruchthüllen zu erkennen.Das Medizinhistorische Museum besitzt mehrere Wachsreliefs zur Geburtshilfe, die wahrscheinlich von Joseph Benedikt Curiger stammen und bei Wilhelm Friedrich Hardmeier & Co. in Tübingen hergestellt wurden.
Die Probleme, die rund um Schwangerschaft und Geburt auftreten können und in früheren Zeiten viel Leid verursacht haben, sind zur Zeit Thema einer Sonderausstellung im Medizinhistorischen Museum.
Zusätzlich hielt PD Dr. med. Stefan Schulz aus Bochum am 27. Juni 2002 um 18.15 Uhr einen Vortrag über die schwere Geburt als moralisches Problem, wie es bei den Wiener Geburtshelfern zwischen 1754 und 1838 erörtert worden ist.

Titelvignette aus dem «Hortus Romanus», Band I, Rom 1772
MHIZ-Signatur Fo B 712
Der «Hortus Romanus» ist das umfangreichste botanische Tafelwerk Italiens. Es wurde 1772 von Giorgio Bonelli begonnen, dann von Nicolo Martelli übernommen und 1793 mit dem 8. Band abgeschlossen. Die Bibliothek des MHIZ besitzt sämtliche der grossformatigen Bände. Die Illustrationen sind von Maddalena Bouchard in Kupfer gestochen worden.
Die Fülle der südlichen Pflanzenwelt hat auch Johann Wolfgang Goethe bei seinem Italienaufenthalt (1786-88) beeindruckt und liess ihn dort nach der «Urpflanze» suchen. Wie diese Idee entstand und wie sie schliesslich zur «Metamorphose der Pflanzen» führte, war unter anderem in der Medizinhistorischen Vortragsreihe vom 23. Mai zu hören.