MHIZ - Schaufenster: Galerie 2002 Medizinhistorisches Institut und Museum der Universität Zürich
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Die Galerie ist im Mai 2002 eröffnet worden: Monatsbilder von Mai - Juni - Juli -August - September - Oktober - November

Sie können auch die Galerien 2003, 04, 05 , 06 und 07 besuchen.

Dezember

 

 

Ein Weihnachtsbaum in einem mehr als zweihundert Jahre alten medizinischen Fachbuch über die Pocken? Das ist kein Versehen! Der Autor aus der Medizinprofessorendynastie Juncker in Halle warb in seinem Werk (s. unten) unter anderem für die frühe Form der Impfung gegen die Pocken, die sogenannte Variolation mit echten Menschenpocken. Er illustrierte seine Vorstellungen mit einem angeblich gehabten Traum:
1840, etwa ein halbes Jahrhundert in die Zukunft gedacht, seien die Pocken von der Erde verschwunden. Lediglich der Urgrossvater hat sie noch mit eigenen Augen gesehen. Er kann aber der versammelten Familie mit dem Gemälde der jung an den Pocken verstorbenen Urgrossmutter an der Wand einen Eindruck von der einstmals so schrecklichen Seuche geben. Zum Gedenken an diesen Fortschritt der Medizin und der Vernunft werde nun immer zu Weihnachten das Pockenfest gefeiert.

Für weitere Informationen siehe Eberhard Wolff: Der Weihnachtsbaum und die medizinischen Utopien. Volkskunde und Medizingeschichte.
In: Deutsches Ärzteblatt 91 (1994) A-3492-3495 (Heft 50).

 

Frontispiz aus:
Johann Christian Wilhelm Juncker:

Gemeinnützige Vorschläge und Nachrichten über das beste Verhalten der Menschen in Rücksicht der Pockenkrankheit. Erster Versuch für die mittleren Stände nebst einem Anhange für Ärzte. Halle 1792.
Aus dem Bestand der Bibliothek des Medizinhistorischen Instituts,
Signatur MHIZ 8 J95 PO.

     

November

 

Paracelsus Magus

Alchemist - Arzt - Magier


Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, wird im Medizinhistorischen Museum der Universität Zürich mit einer Sonderausstellung geehrt. Sie trägt den Titel "Paracelsus Magus" und wird im Auftrag des Medizinhistorischen Museums und der Schweizerischen Paracelsus-Gesellschaft von Thomas Hofmeier und Daniel Kriemler gestaltet. Sie wird vom 2. November 2002 bis Ende Mai 2003 zu sehen sein.

Kern der Ausstellung bilden die paracelsischen Wissenschaftsbereiche Medizin, Alchemie, Astrologie und Magie. Dargestellt werden jeweils ihre beiden Pole: die philosophische, esoterische Theorie und die reale, exoterische Praxis. Die Wissenschaften des Hohenheimers werden von zwei Ausstellungseinheiten umrahmt. Die eine ist seinem bewegten, schöpferischen aber doch bescheidenen Leben und dem historischen Umfeld gewidmet. Die andere bringt die relativ unbekannte, sehr ausgeprägte und bis heute andauernde Wirkungsgeschichte des Arztes, Alchemisten und Theologen zum Ausdruck. Eine besondere Attraktion ist die in die Ausstellung integrierte, moderne alchemische Laborinstallation.

 

Oktober

Das Medizinhistorische Institut und Museum zieht um!

Seit nunmehr vier Monaten ist unser Institut am Packen. Unsere Bereiche "Museum", "Bibliothek" und "Archiv" erhielten damit die Chance, ihre umfangreichen Bestände zu sichten und sachgerecht zu ordnen. Hunderte von Kisten stehen herum und warten auf den Abtransport. Und noch immer ist Vieles unverpackt. Manchmal scheint es fast, als wüchsen die Haufen ständig nach, weil in den geheimen Ecken des Turmes immer wieder neue Fundstücke auftauchen. Eine stattliche Anzahl motivierter Helferinnen und Helfer sind uns bei diesem gewaltigen Umzug behilflich.

Die vielen mühseligen Ärgernisse, die leider ein solches Unternehmen begleiten, werden hoffentlich bald einmal der Vergangenheit angehören. Denn ab November befindet sich unser Institut an bester Lage, in unmittelbarer Nähe des Centrals. Die Bibliothek hat über 2000 Kisten schon gepackt. Die Objektsammlung des Museums - das Museum selbst bleibt an der Rämistrasse 69 - wird endlich an einem zentralen Ort zusammengeführt. Das Bircher-Benner-Archiv, das sich bisher an der Moussonstrasse befand, gelangt ebenfalls zu uns, zusammen mit dem neu entstandenen Medizinhistorischen Archiv, dessen wertvolle Archivalien (Bildersammlung, Handschriften und Nachlässe, Medienarchiv und Medaillensammlung) im neuen Jahr unseren Benutzern zugänglich gemacht werden.

Am Hirschengraben 82 haben auch Wissenschaftler ihren Platz, so dass die vielfältigen Bestände unserer Sammlungen vor Ort erforscht werden können. Wir bedauern sehr, dass unsere Dienstleistungen momentan erheblichen Einschränkungen unterworfen sind; die Bibliothek bleibt bis Ende November geschlossen. Um so mehr freuen wir uns auf die Gäste, die wir ab Januar 2003 am neuen Ort begrüssen dürfen!

September

 

Albert Anker:

Ruedi Anker auf dem Totenbett.
Öl auf Leinwand von Albert Anker,
34 x 64 cm, 1869 (Privatbesitz)

 

Albert Ankers Sohn Ruedi auf dem Totenbett
Ein einzigartiges Gemälde im Medizinhistorischen Museum

Im Rahmen der Sonderausstellung "Über dem Grabe geboren – Kindsnöte in Medizin und Kunst" ist im Medizinhistorischen Museum der Universität Zürich neuerdings ein ergreifendes Bilddokument von Albert Anker ausgestellt: Der populärste Schweizer Maler hat seinen im Alter von zwei Jahren verstorbenen Sohn Rudolf 1869 auf dem Totenbett gemalt und – vom Schmerz überwältigt – in die Farbschicht als letzten verzweifelten Zuruf die Worte eingekratzt: "Du liebe, liebe Rudeli".
Wie so vielen ihrer Zeitgenossen blieb Albert und Anna Anker-Rüfly das Leid des vorzeitigen Kindertodes nicht erspart. Die zwei ältesten Söhne der sechs Kinder des Ehepaars starben innert zwei Jahren im frühen Alter. Der Maler hatte das Angesicht seines aufmerksam und offen blickenden einjährigen Sohnes Rudolf schon 1868 in einem Ölbild festgehalten, das später in den Besitz der Tochter Marie überging. Im Frühling 1869 vollendete er das Bild "Der Neugeborene", das sich heute im Kunstmuseum Lausanne befindet. Möglicherweise liess er sich auch bei diesem Werk durch die Freude am Wachsen des Sohnes Rudolf anregen, die sich im Gesicht des Kleinen mit seinen hellen, aufmerksamen Augen spiegelt. Doch der geliebte Erstgeborene Rudolf starb nach kurzer, schwerer Krankheit am 25. August 1869. Er fiel einer damals im Berner Seeland grassierenden Diphtherie-Epidemie zum Opfer. Ankers Frau Anna schrieb an diesem traurigen Tag in ihr "Christliches Gedenkbüchlein": "Heute hat Gott der Allmächtige unsern Ruedi zu sich gerufen 2 Jahre 1 Monat und 19 Tage alt. Wahrlich ich sage euch, es sei denn, dass ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen."
Ihr Mann Albert Anker berichtete seinem besten Künstlerfreund, dem Elsässer François Ehrmann: "Ich muss dir die schreckliche Nachricht vom Tod unseres geliebten Kleinen, deines Patenkindes, mitteilen. Die Halsbräune hat ihn nach kurzer Dauer weggerafft. Als dein Brief ankam, wussten wir noch nicht, welchen Weg die Krankheit nehmen würde. Nun wissen wir, dass er tot ist, wirklich tot. Wir waren so glücklich, die Kinder waren gesund, wir auch – und nun: 'Ein Blitz aus heiterem Himmel!' Wie es mit unseren Plänen aussieht, kann ich nicht sagen, es richtet sich alles nach dem Befinden meiner Frau. Ich möchte, dass sie vielleicht das Dorf verlassen und direkt nach Paris reisen kann. Wir werden sehen. Heute ist dieser Kleine gestorben."
Das breitformatige Bild von Ruedi Anker zeigt den verstorbenen Knaben im weissen Leichenhemd und mit gefalteten Händen auf dem blumengeschmückten Totenbett. Sein von der Seite belichtetes Profil vor dunklem Hintergrund vermittelt den Eindruck eines schlafenden Kindes von grosser Schönheit, Ruhe und Würde. Das persönliche Engagement des trauernden Vaters ist eine der frühesten Darstellungen des Themas in der Schweizer Kunst. Ferdinand Hodler wird das Motiv im Zyklus seiner sterbenden Geliebten Valentine Godé-Darel wieder aufnehmen. Demgegenüber bleiben Ankers übrige Trauerbilder um verstorbene Kinder – etwa die "Kleine Freundin" (1862) im Kunstmuseum Bern oder das "Kinderbegräbnis" im Kunsthaus Aarau (1863) – sehr genrehaft, distanziert und etwas manieriert.
Albert Anker hat das Totenporträt seines Sohns zur persönlichen Trauerbewältigung und zur Erinnerung gemalt; ein Verkauf stand für den Künstler niemals zur Diskussion. So blieb es nach Ankers Tod im Besitz seiner Tochter Louise Anker-Oser in Basel und kam später mehrmals in andere Hände. Ein unlängst erfolgter Besitzerwechsel des Gemäldes erlaubt nun die öffentliche Präsentation dieses möglicherweise privatesten, innigsten Anker-Bildes.
Zweieinhalb Jahre nach Ruedi Anker starb auch der zweitgeborene Sohn Emil. Der Vater hat den einjährigen am 3. Dezember 1871 in einer Bleistiftzeichnung auf dem Totenbett festgehalten. Die Mutter Anna Anker schrieb nach diesem zweiten schmerzlichen Ereignis: "3. Dezember. Heute hat es dem lieben Gott gefallen, unsern Emil zu sich zu rufen, 13 Monate und 13 Tage alt. Der Herr hat ihn gegeben, der Herr hat ihn genommen, der Name des Herrn sei gelobt." Diesen unerschütterlichen Christenglauben konnte ihr Gatte nicht ganz teilen, bekannte er doch Auguste Bachelin: "Solche Wegmarken in unserer Existenz zeigen uns schmerzhaft die Wirklichkeit des Lebens an. Wohl allen, die sie als blosse Dissonanzen annehmen können, welchen ein vollkommener Akkord folgt. Doch dazu braucht es einen festeren Glauben als den eines ehemaligen Theologen (...). Wir versuchen das Bittere mit Geduld anzunehmen, gehen mit Zuversicht weiter und rechnen mit der Zeit als dem wahren Heilmittel ..."
Das neu in die Ausstellung "Über dem Grabe geboren" integrierte Totenporträt Ruedi Ankers fügt sich eindrücklich in die übrigen Zeugnisse der Kindsnot vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert ein. Die Erinnerungen an tote Säuglinge und Kleinkinder zeugen davon, dass es auch in früheren Zeiten trotz grossem Sterblichkeitsrisiko starke emotionale Bindungen der Eltern zu ihrem verstorbenen Nachwuchs gab. Wenn – wie im Falle von Ruedi Anker – der Maler den Tod des eigenen Kindes künstlerisch bewältigte, ist ein solches Dokument besonders eindringlich und anrührend.

 

August 2002

Maximilian Oskar Bircher-Benner
Geboren am 22. August 1867

Altersporträt von Maximilian Oskar Bircher Benner
(1867-1939)

Erfinder des Birchermüesli (Rezept sh. unten)

Bildersammlung des Medizinhistorischen Instituts und Museums der Universität Zürich

Fotografische Vergrösserung (23,0 x 28,7 cm, aufgezogen auf Karton 27,5 x 33,9 cm), hier beschnitten und in historischen Rahmen gesetzt


Dieser Mensch hat geschafft, was unzählige andere auch gerne bewirkt hätten: Die alltäglichen Ernährungsgewohnheiten der Menschen zu ändern. Maximilian Bircher-Benner wurde vor 135 Jahren, am 22.8.1867, im schweizerischen Aarau (Kanton Aargau) geboren und starb als international bekannter Arzt und Ernährungsreformer am 24.1.1939 in Zürich. Das nach ihm benannte "Birchermüesli" ist heute mehr als nur eine schweizerische Nationalspeise. Kaum ein besseres Hotel rund um den Globus, das auf seinem Frühstücksbuffet nicht ein "Müsli" (für Unbewanderte: In der Schweiz ist das der Name für eine kleine Maus), "Musli" oder gar "Museli" bereithält.

Allerdings haben die heutigen fantasievollen Varianten des Müeslis nur noch wenig mit dem gemein, was Bircher-Benner entwickelte. Es ging ihm darum, Rohkostnahrung auf eine schmackhafte Weise unters Volk zu bringen. Und Rohkost wiederum – ganz vegetarisch – war Teil seiner Vorstellungen einer Ordnungstherapie, die den Menschen bei den vielen Zumutungen des damals noch jungen Industrie- und Technikzeitalters wieder ins rechte Lot und zur vollen Gesundheit bringen sollte. Um dies zu erreichen, gründete Bircher Benner um die Wende zum letzten Jahrhundert sein Privatsanatorium "Lebendige Kraft" in dem bald neben wirklich Kranken viele Reiche und einige Berühmte kurten, indem sie sich Birchers strengem Regime unterwarfen. Heute ist der imposante Bau am Zürichberg ein Ausbildungszentrum der "Zürich" Versicherungsgesellschaft.


Das abgebildete Altersporträt Bircher-Benners zeigt ihn mit dem obligaten, schon in den 1920er Jahren ergrauten Vollbart, mit Brille, die er bereits im 19. Jahrhundert tragen musste, und weissem Arztkittel. Auf Bekannte, Verwandte und Besucher der Klinik hat Bircher Benner mit seiner Persönlichkeit wie auch seinem Auftreten in der Regel grossen Eindruck gemacht.


Das Foto entstammt der umfangreichen Bildersammlung des Medizinhistorischen Instituts und Museums. Darüber hinaus ist dort derzeit das "Bircher-Benner-Archiv" am Entstehen, unterstützt durch Drittmittel des "Fonds für gemeinnützige Zwecke des Kantons Zürich". Seinen Grundstock bilden etwa 150 laufende Meter Patientenakten aus dem Privatsanatorium "Lebendige Kraft".
(verantwortlich: Eberhard Wolff)

Rezept für das Birchermüesli:

NB: Das Müesli ist weit mehr als ein Dessert: Gerade im heissen August macht es sich sehr gut als vollwertige Hauptmahlzeit. Für die Traditionsbewussten hier das Originalrezept:

Ein Esslöffel Haferflocken über Nacht einweichen in drei Esslöffeln Wasser.
Dies verrühren mit ein bis zwei geriebenen Äpfeln (einschliesslich Schale und Kerngehäuse),
dem Saft einer halben Zitrone und einem Esslöffel gezuckerter Kondensmilch.
Mit geriebenen Nüssen bestreuen.

 

 

Juli 2002:

 

Werbekarte für die Bäder von Yverdon

MHIZ-Bildersammlung, 17.5 x 11 cm

Ab 8. Juli sind Semesterferien! Gelegenheit zum Baden oder zum Besuch der EXPO02, die auch in Yverdon stattfindet Dort ist zum Beispiel die Ausstellung „Garten Eden - Faszination Gesundheit“ zu sehen.
Das Medizinhistorische Insitut und Museum besitzt in seiner Bildersammlung eine grosse Abteilung zum Thema Balneologie.

 

Juni 2002:

 

Fünf Monate alter Foetus mit Fruchthüllen

Wachsrelief nach Joseph Benedikt Curiger, Tübingen 1804 (Inv.-Nr. 1085)

In diesem idealisierten Längsschnitt durch die mütterliche Beckenregion ist der fünf Monate alte Foetus hinter den Fruchthüllen zu erkennen.Das Medizinhistorische Museum besitzt mehrere Wachsreliefs zur Geburtshilfe, die wahrscheinlich von Joseph Benedikt Curiger stammen und bei Wilhelm Friedrich Hardmeier & Co. in Tübingen hergestellt wurden.

Die Probleme, die rund um Schwangerschaft und Geburt auftreten können und in früheren Zeiten viel Leid verursacht haben, sind zur Zeit Thema einer Sonderausstellung im Medizinhistorischen Museum.

Zusätzlich hielt PD Dr. med. Stefan Schulz aus Bochum am 27. Juni 2002 um 18.15 Uhr einen Vortrag über die schwere Geburt als moralisches Problem, wie es bei den Wiener Geburtshelfern zwischen 1754 und 1838 erörtert worden ist.

 

Mai 2002:

Titelvignette aus dem «Hortus Romanus», Band I, Rom 1772

MHIZ-Signatur Fo B 712

Der «Hortus Romanus» ist das umfangreichste botanische Tafelwerk Italiens. Es wurde 1772 von Giorgio Bonelli begonnen, dann von Nicolo Martelli übernommen und 1793 mit dem 8. Band abgeschlossen. Die Bibliothek des MHIZ besitzt sämtliche der grossformatigen Bände. Die Illustrationen sind von Maddalena Bouchard in Kupfer gestochen worden.

Die Fülle der südlichen Pflanzenwelt hat auch Johann Wolfgang Goethe bei seinem Italienaufenthalt (1786-88) beeindruckt und liess ihn dort nach der «Urpflanze» suchen. Wie diese Idee entstand und wie sie schliesslich zur «Metamorphose der Pflanzen» führte, war unter anderem in der Medizinhistorischen Vortragsreihe vom 23. Mai zu hören.